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Die wundersame Geschichte der Faye Archer

die wundersame Geschichte der Faye ArcherChristoph Marzi
Klappenbroschur: 384 Seiten
ISBN: 978-3-453-52992-2
Erscheinungstermin: 12. August 2013
Verlag: Heyne

“Bücher haben eine Seele”, heißt es in Christoph Marzis Roman “Die wundersame Geschichte der Faye Archer”. Und keiner müsse sie suchen. “Die Seele des Buches findet den Leser selbst.” Schöne Worte in einem schönen Buch, könnte man denken. Aber seltsamer Weise wurden sie wahr. “Die wundersame Geschichte der Faye Archer” hat mich auf wundersame Weise gefunden: Denn eigentlich kehre ich Büchern aus Papier den Rücken zu; stattdessen lese ich Geschichten “aus Bits und Bytes”, die laut Faye Archer gar keine richtigen Bücher sind. Das sollte sich eigentlich auch so schnell nicht ändern – hat es aber dennoch.

Es passierte zufällig in einer Buchhandlung, in nur wenigen Warteminuten. Ich hab meine Blick schweifen lassen, ein buntes Cover hat meine Augen gestreichelt und schon waren alle gute Vorsätze, nicht noch weitere Bücher in meiner Wohnung anzuhäufen, passé. Faye Archer hat mir ihre Seelenverwandtschaft angetragen und ich habe sie beglückt angenommen.

Und dieses Glücksgefühl hielt bei der Lektüre des 384-Seiten dicken Buches an.
“Warum genau? Fang endlich an zu rezensieren!”, drängeln die weniger geduldigen Leser bestimmt schon. Nun, ich versuche so nachvollziehbar wie möglich zu begründen, warum Sie dieses Buch unbedingt lesen sollten, habe aber die Befürchtung, dass es mit Worten nicht immer gelingen kann, alle Facetten, Farben und Formen einer Geschichte einzufangen.

Dennoch: Die Handlung, wie ich als Vielleserin schon so oft erlebt habe, ist es nicht, die “Die wundersame Geschichte der Faye Archer” zu einem abenteuerlichen Leseerlebnis macht: Faye Archer verliebt sich in eine Satz bzw. eine Stimme. Manche Geschichten sind wie Melodien, sagt Alex Hobdon, und um Faye ist es geschehen. Sie muss ihn unbedingt kennenlernen und wagt es, ihn per Facebook zu kontaktieren. Daraus entsteht eine leidenschaftliche “Brieffreundschaft”, die Faye darauf hoffen lässt, den Richtigen gefunden zu haben. Nur blöd, dass sich Alex Mails nach und nach als Lügen herausstellen… und Faye trotzdem nicht von ihm lassen kann.

Warum ich nicht von der Geschichte lassen konnte, liegt wie gesagt nicht am Plot, sondern an Faye selbst und Alex und Mica und all den anderen. An Figuren einer Geschichte, die dir so nah und authentisch erscheinen, als würden sie nebenan wohnen. An einer Protagonistin, die nicht perfekt ist, aber dafür wunderbar, die “nicht so hübsch ist, dass sich die Männer auf der Straße reihenweise nach ihr umdrehen, aber auch nicht so unscheinbar, dass sie gar keinen Eindruck hinterlässt”. An Faye, die sich rot fühlt mit weißen Punkten, wenn sie glücklich ist, und tatsächlich überlegte, ob sie “mit den Staubkörnen, die träge im Licht schwebten, tanzen sollte”.

Kurzum, lieber Leser, es geht um die Melodie zwischen den Zeilen, um das Unausgesprochene, um Emotionen jenseits der Buchstaben, um die Seele eines Buches!

Aus diesem Grund wohl hat der Autor die Geschichte um Faye und Alex meilenweit entfernt von jeglicher Vernunft gipfeln lassen. Aber das ist nicht wichtig. Denn, um es mit den Worten von Christoph Marzi zu sagen: “Es gibt Momente, die so unwirklich sind, dass man sie nicht begreifen kann, nicht mit dem Verstand, sehr wohl aber mit dem Herzen. ” Die wundersame Geschichte der Faye Archer ist so ein Buch, dass man nur mit dem Herzen begreifen kann. Man muss sie nicht verstehen, um zu ihrer Melodie tanzen zu können! “Nein, man musste sie nur hören.” – weiß Faye am Ende.

Leseprobe: Die wundersame Geschichte der Faye Archer von Christoph Marzi

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