Ich wünschte, ich könnte dich hassen

Lucy Christopher
Verlag:
Carlsen Verlag; Februar 2011
Taschenbuch:
368 Seiten
Originaltitel: Stolen
ISBN-13:
978-3551520081
Leseprobe

Noch immer klingen die einzelnen Sätze von Lucy Christophers Roman “Ich wünschte, ich könnte dich hassen”  in meinen Ohren und machen mich sprachlos. Ich bin sprachlos darüber, was ich in den letzten 24 Stunden gelesen, nein, vielmehr gierig in mich aufgesogen habe: Die Geschichte einer Entführung, deren Plot, so schrecklich, so unvorstellbar wie er ist, nur weniger Worte bedarf: Ein junges Mädchen, Gemma,  gerät am Flughafen in die Hände ihres Häschers. Alles ist von langer Hand geplant. Bevor sie sich versieht, strandet sie im australischen Nirgendwo, gerissen aus der ihr bekannten Welt. Dort wo sie nun festgehalten wird gibt es kein Entrinnen, es gibt keine Hoffnung, nur Verzweiflung, karges, tödliches Land und Ty…

Wie kann es also dennoch sein, dass Gemmas Hassgefühle umschlagen in so etwas wie Liebe? Wie kann es sein, dass das todbringende Land ihrer Gefangenschaft sich spürbar wandelt in eine lebendige Oase? Und wie kann es sein, dass der Leser in Ty, Gemmas Entführer, nicht zwingend ein Monster sieht, sondern die Augen richtet auf den gebrochenen, sensiblen Teil seiner Seele? Ich bin wie betäubt von den schmerzhaften Wegen, die diese Geschichte und ihre Protagonisten gehen. Und gleichzeitig bin ich sprachlos, dass ich diese Entwicklung völlig glaubhaft empfinde und jeden ihrer Gedanken verstehen kann.

Aber wie soll ich das in nachvollziehbare Worte fassen?  Wie soll ich eine Rezension über ein Buch schreiben, dass so anders ist, sich so grundlegend von bekannten Mustern unterscheidet, dass man selbst nicht glauben kann, was man da gelesen hat? Wie soll ich dem Leser klar machen, dass “Ich wünschte, ich könnte dich hassen” ein mehr als lesenswertes Buch ist, obwohl es von Dingen erzählt, die sich kein Mensch auf dieser Welt wünscht, die verstörend und furchtbar sind? Wie kann ich ihm vermitteln, dass die Geschichte um Gemma und Ty hart, grausam und traurig, aber gleichzeitig sanft, zart und wunderbar leuchtend ist – sanft wie der Flügelschlag des Nachtfalters in Gemmas Händen, zart wie der kühl die Haut liebkosende Morgen in Sandy Desert, leuchtend wie die Abertausend Sterne über dem einsamen Haus im Nirgendwo, in dem Gemma sich aufgegeben und neu erfinden musste.

Ich bin fassungslos über die Idee, die diesem Buch zugrunde liegt. Über die Geschichte, die Lucy Christopher erzählt, eine Geschichte, die ich mir in den kühnsten Träumen nicht hätte ausdenken können. Ich bin fassungslos darüber, was diese Geschichte mit mir gemacht hat. Ich bin fassungslos, welch unvermutetes Leben, welch unerwartete Schönheit Lucy Christopher dem Leser in der kargen Landschaft der australischen Wüste offenbart.  Ich bin fassungslos, weil ich genau weiß, was krank und falsch ist, und trotzdem spüre, was Gemma spürt und weil sich Böse und Gut vor meinen Augen vermischen. Ich bin fassungslos über das Ende der Geschichte, das gut und richtig war und weil ich mir insgeheim genauso wie Gemma ein anderes Ende hätte vorstellen können. Ich bin fassungslos, was geschriebene Worte auslösen können. Ich bin fassungslos weil ich bunte Farben vor meinen Augen sehe, Kringel, Punkte, bin fassungslos, weil ich wie ein Vogel über Sandy Desert fliege. Ich bin verstört, atemlos, vor allem aber bin ich froh Gemmas und Tys Geschichte gelesen zu haben.

Lieber Leser, ich weiß nicht, ob diese Geschichte das gleiche mit Dir macht, wie mit mir. Aber eins verspreche ich Dir – sie wird Dich berühren!

Zu guter Letzt sei eins gesagt: “Ich wünschte, ich könnte dich hassen” ist mitnichten ein Jugendbuch. Erwachsene Leser sollen sich nicht davon abhalten lassen, in die Geschichte von Gemmas Entführung einzutauchen.

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Eine Antwort auf Ich wünschte, ich könnte dich hassen

  1. Evy sagt:

    Vielleicht landet das Buch mal in meinen Händen, ich werde nicht umhin können es zu lesen, nachdem ich diese Rezenssion gelesen habe, welche, wow, für sich schon lesenswert ist!

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter

John Green
Verlag: Hanser
Gebundene Ausgabe: 285 Seiten
ISBN: 978-3446240094
Orginaltitel: The Fault in Our Stars
Erscheinungstermin: 30 Juli 2012

Halb Deutschland scheint über John Green zu reden, hab ich mir gedacht, als ich innerhalb von kurzer Zeit immer wieder über diesen Namen und den eindrücklichen Titel: “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” gestolpert bin. Irgendwann wollte ich dann einfach testen, ob die Geschichte um die zwei krebskranken Protagonisten Hazel und Gus, wirklich das halten kann, was die Feuilletons der Republik einhellig preisend und jubelnd versprechen: “Der beste John Green den, es je gab”, ein Buch, “das jeder lesen” sollte, “anmutig, komisch, kostbar”, das zum Weinen und zum Lachen bringt – so heißt es da. Und dass es zurzeit kein bewegenderes Buch geben soll.

Kann das wirklich stimmen, stellt sich da die Frage oder wird hier maßlos übertrieben und ein Autor willentlich gepuscht? Mit diesen Gedanken hab ich begonnen das Jugendbuch über die 16-jährige Hazel zu lesen, die “gerne ein Mensch war”, der das Schicksal aber in ihren jungen Jahren schon übel mitgespielt hat. “Schilddrüsenkrebs, mit umfänglichen und hartnäckigen Metasthasen in der Lunge” ist Hazels Bilanz, oder in anderen Worten: das Leben als “tickende Zeitbombe”, wie man schon nach einigen Seiten des Romans erfährt. Eigentlich sollte sich der Leser an dieser Stelle fragen, ob er Lust hat auf eine solch traurige, erschütternde und vor allem vorhersagbare Geschichte? Will man sich antun, von Sterben und Leid, von Verzweiflung  und Krankheit zu lesen? Will man das wirklich?

Kurzum, die klare Antwort lautet ja! Man will und man will mehr, Seite um Seite! Man will mehr erfahren über diese vom miesen Schicksal verratene Hazel, die weiß, dass sie sich eigentlich nicht beklagen braucht, denn immerhin ist es noch besser “mit 16 an Krebs zu sterben, als ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt”. Man will mehr von ihrem schwarzen Humor, ihrem Willen zu leben und vor allem will man mehr von Hazel und Gus, die sich abrupt und ohne Vorwarnung in einer Selbsthilfegruppe ineinander verlieben. Man will mehr von dieser Liebesgeschichte, die nicht kitschig oder niedlich ist, sondern heftig, witzig, absolut unverkrampft, die immer wieder pendelt zwischen der nötigen Schwere und einem bezaubernden Augenzwinkern…

Völlig ohne Vorwarnung habe auch ich als Leserin diesen Gus ins Herz geschlossen und “sein schiefes Lächeln”, das Hazel so gern an ihm hat, genauso wie die Art, “dass er Geschichten immer bei jemand anderen enden lies”, oder seine Stimme, bei der sich Hazels Haut plötzlich ganz anders anfühlt.  Am allerbesten fand ich aber seine erste Liebeserklärung an Hazel, die er nebenbei fallen lässt: “Ich fasse es nicht, dass ich auf ein Mädchen mit so billigen Wünschen stehe”!

Doch Hazels Wünsche sind nicht billig, sondern naheliegend. Sie will Gus, sie will leben und außerdem ihren Lieblingsschriftsteller kennen lernen. Und genau das wird Hazel in Amsterdam tun, denn Gus erfüllt ihr diesen Wunsch und begibt sich mit ihr auf die Reise seines Lebens – im wahrsten Sinne des Wortes.

Natürlich will ich nicht verheimlichen, dass dieses Buch nicht nur fröhlich und unverkrampft ist. Wie sollte es auch, geht es doch um eine Liebe in Zeiten des Krieges: Der Krieg gegen den Krebs ist “ein Bürgerkrieg, ein abgekarteter Bürgerkrieg, bei dem der Sieger feststeht“, muss Gus feststellen. Und damit hat er recht, aber eben nur teilweise:  Denn auch mit “gezählten Tagen” kann man sich gegenseitig “eine Ewigkeit schenken” – und das ist die Geschichte von Hazel und Gus!

Mein Fazit: Ich habe gelacht und geweint, als ich dieses “doofe Krebsbuch” gelesen habe und tue es immer noch – mit einem schiefen Lächeln.

Leseprobe: John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

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Eine Antwort auf Das Schicksal ist ein mieser Verräter

  1. melissa demirel sagt:

    super buch

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Das Land der verlorenen Träume

Caragh O ‘ Brien
Gebundene Ausgabe:
464 Seiten
Verlag:
Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2012
ISBN: 978-3453528000
Originaltitel:
Prized

Hier gibt es „alles was sich der … Leser wünscht“, so lautete die scriba-Zusammenfassung zum ersten Teil von Caragh O’Briens Jugendbuchtrilogie: atemberaubende Spannung, bunte, fulminante Bilder, unverdaute Ideen sowie eine tatkräftige Ausnahme-Protagonistin, die nicht wegsieht, sondern entschlossen gegen die unmenschliche Gesetze des unbarmherzigen Herrschaftssystems der Enklave aufbegehrt – mit allen Konsequenzen.

Wie diese letztlich aussehen, erfährt der Leser gleich zu Beginn des Nachfolgeromans „Das Land der verlorenen Träume“:  Gaia ist auf der Flucht. Sie hat alles verloren, was ihr wichtig war; ihre Eltern, ihr Zuhause und Leon. Im menschenfeindlichen Ödland sucht sie nun verzweifelt mit ihrer neugeborenen Schwester den Weg zum sagenumwobenen Toten Wald – eine zivilisierte Gesellschaft fernab der Enklave – und findet ihn in letzter Sekunde … Das sogenannte Sylum wird für die Schwestern, vor allem für den halbverhungerten Säugling Maya, zur letzten Rettung – doch wie groß kann der Preis für das Überleben sein?

Denn auch das vermeintliche Paradies Sylum entpuppt sich als Welt zweifelhafter Gerechtigkeit. Sylum ist ein von Frauen beherrschter Ort, an dem Männer keine Rechte besitzen. Aber auch die weiblichen Bürger sind nicht wirklich frei, sondern strengen Regeln unterworfen. Beugen sie sich den alles bestimmenden Gesetzen nicht, sind auch ihre Rechte verwirkt.

So sieht sich Gaia abermals Repressalien ausgesetzt, wenn auch auf vollkommen andere Weise. Dass in Sylum jedoch nicht nur das System krankt, sondern auch biologisch einiges im Argen liegt, macht es zum Pulverfass: In dem Matriarchat werden seit Jahren kaum mehr Mädchen geboren …

In ihrem zweiten Buch geht die Autorin einen gänzlich anderen Weg und lässt die bisher so starke Protagonistin Schwächen zeigen: Gaia ist im Gegensatz zum Vorgängerband Teil der Unrechts-Gesellschaft, und nicht Beobachterin von außen. Sie sieht zwar die verworrenen Zustände, doch ist sie befangen. Sich gegen die Anweisungen der Matrarch aufzulehnen, bedeutet vertrieben zu werden und somit Maya zu verlieren; sich dem Druck zu beugen hingegen, die eigenen Ideale – in diesem Fall ungewollt schwangeren Frauen zu helfen – aufzugeben. Widerstand zu leisten erscheint nun in einem anderen Licht.

Die Protagonistin versucht trotz ihrer verzweifelten Lage sich sprichwörtlich zwischen Pest oder Cholera zu entscheiden zu müssen, das Richtige zu tun, verrennt sich aber und übersieht in ihrem Kampf das Wesentliche. Sie opfert das Wohl und das Vertrauen des Menschen, der ihr Leben gerettet hat. Denn Leon ist ihr gefolgt und wartet vergeblich in Not auf ihren Beistand.  Dass sie das Machtspiel mit der Matrach längst verloren hat, merkt sie zu spät. Letztlich ist sie gebrochen, akzeptiert die Gesetze und handelt systemtreu.

Der Titel „Land der verlorenen Träume“ hat somit eine doppelte Intention. Gaias Traum von einem Leben ohne Oktroyierung und Ungerechtigkeit erweist sich als Illusion. Gleichzeitig scheint die Beziehung zu Leon verloren, bevor sie beginnen konnte.

Caragh O‘ Brien beweist hier Mut. Denn so mancher Leser fährt sicher aus der Haut und verzweifelt am Handeln bzw. Nicht-Handeln der Protagonistin. So sind es dieses Mal nicht Spannung und rasante Szenen, die das Buch charakterisieren. Vielmehr beherrschen hier leisere Töne, ruhige Bilder,  intensive Dialoge und innere Zustände das Bühnenbild.

So passt es sehr gut, dass auch der Liebe im 2. Band ein weitaus größerer Raum als im Auftaktroman gewährt wird – sicher anders jedoch als der Leser es erwarten wird

Die Liebe ist es auch, die Gaia schließlich die Augen öffnet und dazu führt, dass sich der Kreis zum 1. Teil schließt und uns nun doch ein spannendes Ende beschert, das sogleich wieder ungeheure Leselust auf die Fortsetzung schürt.

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Rezension “Die Stadt der verschwundenen Kinder”
Teil 1 von Caragh O’ Briens Trilogie

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Die Stadt der verschwundenen Kinder

Caragh O ‘ Brien
Gebundene Ausgabe:
464 Seiten
Verlag:
Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 24. Januar 2011
ISBN: 978-3453528000
Originaltitel:
 Birthmarked

Ich habe das Bild einer Gebärenden vor Augen, schweißüberströmt in einer Hütte liegend. Sie ist unendlich erschöpft, doch gleich hat sie es geschafft. Nur noch die letzen Wehen, dann der erlösende Schrei des Babys. Dann ein neues Bild. Gaia, die Hebamme mit dem kleinen Bündel im Arm, das Klappern ihrer Sohlen in den Gassen. Schnell, schneller, nur noch 10 Minuten. Sie hastet dahin, fliegt der Mauer entgegen, das neue Leben geborgen an ihrem Herzen. Der Mond geht auf, schon sieht sie die Lichter der Stadt. Die Minuten verrinnen, kaum noch Zeit. Doch dann erreicht sie die Wache. Ein Blick auf die Uhr. Das warme Bündel wandert in offene Arme, ein Augenblick, dann schließt sich das Tor.

So fulminant erlebt man den Einstieg des Romans „Die Stadt der verschwundenen Kinder” – hier mit wenigen Worten aus meiner Erinnerung zusammengefasst. Nach diesem verheißungsvollem Auftakt war ich in Hochstimmung und äußert gespannt, ob auch der weitere Teil der Geschichte die hohe Messlatte halten kann – Kurzum: Der erste Roman aus Caragh O´Briens Jugendbuchtriologie hat meine Erwartungen übertroffen.  Selten  hat man ein Buch in der Hand, bei dem schon die ersten Zeilen nachklingen und im Handumdrehen für Kopfkino der Extraklasse sorgen. Der Leser ist von Beginn an mitten im Geschehen, ahnt, dass sich bereits in der eben geschilderten ersten Szene Bedeutendes ereignet. Gleichzeitig ist er jedoch verunsichert und liest wachsam weiter. Man kann sich nur schwer verorten, glaubt sich im Mittelalter. Doch weit gefehlt! Erst im Kontext lassen sich Zeit und Raum erschließen.

Die junge Hebamme Gaia lebt zwar in mittelalterlichen Verhältnissen, doch in ferner Zukunft. Aufgrund von Klimakatastrophen hat sich die Welt verändert. Kaum Vegetation, die Rohstoffe sind denkbar knapp, fließendes Wasser und Strom ist Luxus einer längst vergangenen Zeit. Zumindest für die Bewohner außerhalb der Mauern. Die Stadt selbst ist als Enklave organsiert: Abgeschlossen und auf einem vermeintlich höheren Entwicklungsstand. Doch trotzdem sind die privilegierten Stadtbewohner auf die Neugeborenen außerhalb der Mauer angewiesen. Jeden Monat müssen Gaia und ihre Mutter auf Anordnung der Enklave die ersten drei Neugeborenen abgeben – innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne von ein bisschen mehr als einer Stunde nach der jeweiligen Geburt. Gaias Mutter erfüllt diese Pflicht gewissenhaft – auch wenn es nicht einfach ist, den Müttern ihre Kinder zu entreißen. Doch trotzdem werden Gaias Eltern plötzlich ohne Vorwarnung verhaftet und in die Enklave verschleppt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt Gaias  rasante und abenteuerliche Suche nach ihren Eltern, bei der sie mehr als einmal nur knapp dem Tod entrinnt. Doch um ihre Eltern zu befreien, muss sie den brisanten Geheimnissen auf die Spur kommen, die ihre Mutter mit allen Mitteln vor der Enklave zu verhüten versucht…

Die Stadt der verwunschenen Kinder hat alles, was sich der passionierte Dystopie-Leser wünscht: Einen spannungsgeladenen Plot und natürlich eine Protagonistin, die in einer überkommenen und sich entfremdeten Gesellschaft mit all ihren Kräften gegen die sozialen Repressionen und für ein letztes bisschen Menschlichkeit kämpft – Das Leben zuerst! Der Leser verfolgt außer Atem jeden Schritt Gaias und erlebt dabei eine Ausnahme-Heldin. Wie üblich eine Schönheit? Nein, O´Brien sei Dank lesen wir endlich einmal, dass man nicht perfekt sein muss – in Gaias Fall durch ein vernarbtes Gesicht entstellt – um auf der Jugendbuchbühne die Hauptrolle zu ergattern und – ein Herz zu erobern. Denn natürlich gehört zu einer guten Geschichte  auch ein Hauch Romantik.

Caragh O´ Briens Roman „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist das vielleicht beste Jugendbuch, das ich seit Langem gelesen habe. Ich freue mich auf jeden Satz des Nachfolgeromans „Das Land der verlorenen Träume“ !

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Rezension “Das Land der verlorenen Träume
Teil 2 von Caragh O’ Briens Trilogie

 

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Sternenschimmer

Kim Winter
Gebundene Ausgabe:
576 Seiten
Verlag:
Planet Girl; Auflage: 1. (15. Juli 2011)
Sprache:
Deutsch
ISBN:
3522502787

Man stelle sich eine Welt vor, in der das Leben von den Auswirkungen der Klimaveränderungen gezeichnet ist. Bewohnbar ist noch ein kleiner Teil der Erde – vor der Ozonstrahlung durch eine Glaskuppel geschützt – der Rest ist von Wasser bedeckt. Die Menschen mussten enger zusammenrücken, haben aber aus ihren Fehlern gelernt. Kriege gibt es auf dieser Welt schon lange nicht mehr. Deswegen ist es für die Vereinten Nationen der Erde auch selbstverständlich, Kinder und Jugendliche des Lichtjahre entfernten Planeten Loduun aufzunehmen, als dort kriegerische Konflikte zwischen den Clans entbrennen. Auch Mia will helfen. Die 17-jährige meldet sich als ehrenamtliche Helferin. Ihre Aufgabe ist es, die traumatisierten Kriegsflüchtlinge zu betreuen, mit ihnen zu spielen, sie zu trösten und die Eingewöhnung auf der Erde zu erleichtern. Im Handumdrehen wachsen Mia ihre Schützlinge ans Herz. Besonders der kleine Tony und die kleine Hope haben es ihr angetan. Sie geht in ihrer Arbeit auf, alles läuft bestens, bis Hopes großer Bruder Iason aus dem Krankenhaus entlassen wird: Es trifft Mia wie ein Blitz, als sie den jungen Mann vom „Clan des Stolzes“ zum ersten Mal sieht. Bläulich schimmert seine Haut, intensiv und strahlend empfindet sie seine außerirdischen Augen, aber das Schlimmste: Er bringt Mia vollkommen durcheinander. In seiner Gegenwart weiß sie nichts zu sagen, weg ist ihr Selbstbewusstsein, ihre Schlagfertigkeit. Von Anfang an verbindet Mia und Iason eine explosive Mischung aus gegenseitiger Faszination und Spannung. Die beiden sind wie Feuer und Wasser, stoßen sich wie zwei gleichgepolte Magneten ab und ziehen sich umgekehrt dann doch wieder an. Hitzige Wortgefechte und Missverständnisse sind da vorprogrammiert. Doch plötzlich ändert sich alles, als die Handlanger des Kriegstreibers Lokondra auch auf der Erde auftauchen und Mia und Iason erfahren, was sie wirklich verbindet …

Mit dem Auftakt der Fantasy-Triologie Sternenschimmer ist Kim Winter eine wahre Perle des Genres gelungen. Aber nicht nur eine zauberhafte Liebesgeschichte ist es, die den Leser in den Bann zieht, der Roman gewinnt ab Mitte des Buches an Fahrt und ist spannend bis zur letzten Seite. Der Clou dabei ist jedoch, dass Kim Winter ihre Action-geladene Liebesgeschichte mit einer gehörigen Prise Heiterkeit würzt: z.B. als von der liebevoll dussligen Mutter die Rede ist, über die man einfach lächeln muss, wenn Mia im Kühlschrank Dinge findet, die doch besser im Bad aufgehoben wären. Oder von einer Mia, bei der Wohlfühlen mit Niesen verbunden ist, was manchmal ganz schön verräterisch sein kann … Dann sind da noch die vielen kleinen Gegensätze zwischen Menschen und Loduunern, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen: „Ist das irdisch oder Mia?“ ist die Frage, die Iason mehr als einmal stellen muss, denn so manche Eigenheiten der Erdbewohner muten doch unverständlich an, wenn ein vernunftbestimmtes Volk auf die emotionalen Irden trifft.

Sternenschimmer ist meiner Meinung nach ein rundum gelungener Jugendroman: Themen wie Toleranz und Andersartigkeit, Tierschutz und Ehrenamt sind genauso wichtige Aspekte der Geschichte wie Krieg und Freundschaft, Völkerverständigung und Hoffnung. Zu guter Letzt ist da natürlich auch noch die Liebe: Diese ist, so wie man erfährt, ein typisch menschliches Gefühl – für die vernunftbestimmten Loduuner ist dagegen Solidarität und familiäre Verbundenheit bestimmend. Ein echte Herausforderung für Mia: Vielleicht schafft sie es trotzdem, Iason zu zeigen, was Liebe ist?

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Die Flucht: Cassia & Ky

Ally Condie                                                                            Hardcover: 464 Seiten                                                         Verlag: Fischer Fjb                                                                Sprache: Deutsch                                                                ISBN: 384142144X                                                               Erscheinungstermin: 20. Januar 2012
Originaltitel: Crossed

Monate sind ins Land gezogen, seit Cassia den Menschen verloren hat, den sie liebt, aber niemals lieben hätte sollen. Ihr Leben war perfekt. Das System hatte ihr eine sichere Zukunft versprochen, mit Xander, ihrem besten Freund als zukünftigen Ehemann. Doch durch einen unerklärbaren Fehler ist sie auf Ky aufmerksam geworden, einen Niemand, einen Menschen, der durchs System fällt. Dieser kleine Fehler hat alles verändert, Cassias Leben, ihr Denken, ihr Fühlen, ihre sichere Zukunft und ihren Glauben an alles Bisherige. Das einzige was ihr nunmehr bleibt ist ihr Glauben an Ky, keinen vollwertigen Bürger, sondern eine Aberration, der weit entfernt von Cassia als menschlicher Köder in den Äußersten Provinzen um sein Leben kämpfen muss.

Der Roman „Die Flucht“ von Ally Condie ist die Geschichte einer Suche. Cassia verlässt die Sicherheit ihrer Familie um Ky wiederzufinden. Freiwillig lässt sie sich in die Äußersten Provinzen versetzen. Dort gelingt ihr das Unmögliche, sie flieht, genauso wie Ky. Nach einer endlosen Suche in der Wildnis treffen sie wieder aufeinander. Doch was sollen sie nun machen? In der Gesellschaft ist kein Platz für beide zusammen. Welche Möglichkeit bleibt also? Sich der Revolution gegen das System anzuschließen, von dessen Existenz Cassia immer mehr überzeugt ist?

Als ich den Roman “crossed” ausgepackt hatte, habe ich sofort begonnen zu lesen, und war nach wenigen Seiten wieder absolut gefangen von der poetischen Sprache Ally Condies. Doch leider ist es bei den ersten Seiten geblieben. Schon im Mittelteil musste ich mich selbst motivieren, um weiterzulesen und auch  gegen Ende wurde es nicht besser: Kurzum, der Roman hat mich enttäuscht.

Warum? Ally Condie schildert die verzweifelte Suche der Liebenden sowohl aus Cassias, als auch aus Kys Sicht, was für den Leser erstmals eine Bereicherung ist. Nunmehr ist es möglich, Einblick in die Gefühlslage beider Protagonisten zu erhalten, mit ihnen zu lieben, zu leiden und zu hoffen.

Dabei baut Condie eine enorme Erwartungshaltung auf: Die Wiedervereinigung des ungleichen Paares in der Ausgesetztheit der Wildnis ist wie eine scheinbare Erlösung. Doch nur nach wenigen Seiten stellt sich Resignation ein:  Die Liebeschwüre wirken schwerfällig, oberflächlich. Allzu schnell holt der Alltag die beiden in den öden und immer gleichen Szenen in der Äußersten Provinz ein: Die Gruppe überwindet eine gefährliche Kletterpartie nach der anderen, windet sich durch Höhlen, sucht nach Andeutungen eines Aufstandes und das Seite um Seite um Seite…  Durchbrochen wird diese Routine nur durch innere Monologe  Cassias und Kys, ihre Dialoge hingegen sind nichtssagend. Ein Lichtblick in dieser stetigen Monotonie sind allein die Figuren von Eli und Indie, die ebenfalls auf der Flucht sind.

Unausgesprochen bleibt aber über den gesamten Roman hinweg: Was will Cassia wirklich, eine Zukunft mit Ky oder eine Aufgabe als Teil des Aufstandes gegen das System? Noch immer wirkt es, als hätte sie sich nicht endgültig entschieden. Und auch Xander tritt immer wieder als Rivale auf, der trotz seiner Abwesenheit als perfekter Gegenpart des zukunftslosen Kys gezeichnet wird. Das Gift dieser Unsicherheit nagt an Ky und beeinflusst sein Handeln und Denken. Der Leser schaut immer ungläubiger auf das sich Entwickelnde, auf eine Cassia, die doch gefunden hat, was sie wollte, doch immer noch sucht, auf einen Ky, den die Unwesen seiner Vergangenheit wieder einzuholen scheinen, auf zwei Menschen, die scheinbar füreinander bestimmt sind, sich jedoch verlieren, kaum dass sie sich berührt haben.

Und so steht man am Ende des Romans wieder vor der Frage, die man doch schon lange geklärt zu haben geglaubt hat: Gibt es einen gemeinsamen Weg für Cassia und Ky? Findet Ky seine Bestimmung? Als Teil der Revolution, wohlmöglich als ihr Anführer? Oder  gibt es irgendwo den Ort, denn er sich für ein Leben mit Cassia wünschen würde, einen Platz außerhalb des Kampfes des Systems?

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Für alle Film-Affinen: Hier der aktuelle Trailer zum Buch “crossed”:

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Wie findest Du das Buch?: 4.7/5 (3 Stimmen)
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2 Antworten auf Die Flucht: Cassia & Ky

  1. Marie sagt:

    Ich have auch “die Flucht” gelesen und war wirklich SEHR enttäuscht…
    Der Mittelteil war wirklich riesig langweilig und Manches wurde nicht klar, z.B.
    Warum hat Ky sich der Erhebung angeschlossen, wenn er doch so dagegen war? Etc.
    Erst recht das Ende war schrecklich! Am Anfang kämpfen sie (Cassia und Ky) darum zusammenzubleiben und nachher sind sie dann doch an zwei verschiedenen Orten und auch so war das Ende wirklich blöd.
    Im Gesamten fand ich diesen Teil wirklich enttäuschend und blöd.
    Ich kann mich den Meinungen, dass dieses Buch besser wäre als die Biss-Saga oder die Hungerspiele, nicht anschließen.

    • Irma sagt:

      Hi Marie,
      ja, auch ich war sehr enttäuscht, wie man der Rezension entnimmt. Trotzdem werde ich dem 3. Band noch eine Chance geben. Die Ankunft erscheint im Januar. Dann bin ich mal sehr gespannt, wie es ausgeht…

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Der Kuss des Dämons – Vampirroman mit zu viel Biss

Lynn Raven                                                                        Taschenbuch: 334 Seiten                                                           Verlag: cbt Fantasy                                                                       Sprache: Deutsch                                                                           ISBN: 3800053519                                                                       Erscheinungstermin: 29. Januar 2008

Julien DuCraine ist der Inbegriff dessen, was Mädchenherzen höher schlagen lässt:  Er ist groß, schlank, hat dunkles, fast schwarzes Haar und bewegt sich mit gefährlicher Eleganz. Er ist ein Einzelgänger, ein wenig abweisend und arrogant, aber dabei auf beunruhigende Art schön.  Doch Julien hat nicht nur Optisch was zu bieten: Er spielt Geige wie ein ganz Großer und ist noch dazu ein begnadeter Fechter. Das männliche Geschlecht behandelt ihn mit vorsichtigem Respekt, hegt aber insgeheim einen gewissen Groll gegen Julien. Und das ist kein Wunder. Nur wenige Tage nach seiner Ankunft an der amerikanischen High-School ist er der Traum aller Mädchen und hat schon etliche Herzen gebrochen. Nur die junge Dawn fällt nicht auf ihn herein – vorerst. Schon nach kurzer Zeit bröckelt  auch Dawns Widerstand und sie verknallt sich gegen alle Regeln der Vernunft in Julien – und das, obwohl er ihr auf mehr als eindeutige Weise zu verstehen gibt, dass er diese Gefühle nicht teilt. Bald stellt sich jedoch heraus, dass Juliens scheinbare Abneigung gegen Dawn nur eine Fassade ist, und auch der arrogante Einzelgänger Gefühle zeigen kann. Doch Julien und Dawn ahnen beide nicht, auf wen sie sich gegenseitig einlassen…

Bei Lynn Ravens Roman „Der Kuss des Dämons“ geht ein mittlerweile altbekanntes Konzept bestens auf: Eine scheinbar durchschnittliche High-School-Schülerin und ein übersinnliches und gefährliches Wesen – sagen wir mal eine Art Vampir – verlieben sich.  Er wehrt sich zwar Anfangs aus (mittlerweile in Mode gekommener) „Gut-Vampir-Manier“ gegen seine Gefühle, die anbahnende Romanze ist jedoch unaufhaltsam. Doch das sind nicht nur die einzigen Parallelen zu einem weltberühmten Teenie-Vampir-Roman, bei dem auch eine amerikanische High-School den Schauplatz bietet. Auch Julien wird zum Retter seiner Angebeteten und offenbart ihr somit, wie „übersinnlich“ er eigentlich ist. Unterbrochen wird das „Techtelmechtel“  - wie zu erwarten – von regelmäßigen Action-Szenen, in der der „Lamia“ zeigen kann, was in ihm steckt.

Zugute halten kann man Lynn Raven, dass sie drauf verzichtet hat, Julien als verwegenem „Vourdranj“ das Image eines moralisch lupenreinem, tierbluttrinkendem Saubermanns aufzudrücken. Stattdessen ist Julien bei Lynn Raven wirklich, was er ist:  Ein wenig zimperlicher Blutsauger.

Meiner Meinung nach kann es Lynn Raven durchaus besser! Ich habe sowohl den „Kuss des Kjer“, als auch „Der Spiegel von Feuer und Eis“ gelesen und war begeistert. Auch diese Bücher waren als Jugendbücher angelegt, aber bei weitem komplexer und durchaus auch für Erwachsene lesenswert.

„Der Kuss des Dämons“, Auftaktroman von Lynn Ravens Vampir-Reihe, ist aber für erwachsene Fans von Urban- und Dark-Fantasy nicht empfehlenswert – es sei denn die Fantasy-Lektüre hat von vornherein nur den Zweck das Abschalten vom Alltag zu fördern (Das kann sie).  Dagegen werden Teenies, die noch immer auf der Biss-Welle schwimmen, begeistert sein. Für diese Zielgruppe gebe ich eine eindeutige Kaufempfehlung. Für Leser, die das 18. Lebensjahr bereits überschritten haben und denken, dass der  Buchmarkt mittlerweile ein bisschen weniger  „Biss“ verträgt, gibt es eine bessere Alternative. Im Frühjahr erscheint Lynn Ravens neuestes Werk „Hexenfluch“, diesmal ein „All-Age-Roman“!

Tipp: Lynn Raven ist mit ihrem aktuellen Roman „Blutbraut” unsere Autorin des Monats November 

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Die Auswahl

Von Ally Condie

Band 1 der Reihe “Cassia und Ky”                                         ISBN: 9783841421197                                                                Verlag: Fischer FJB (Originaltitel: “Matched”)                        Seitenzahl: 452 Seiten                                                           Erscheinungstermin: 27.01.2011

“Mein Herz wird immer deinen Namen fliegen, ich werde nicht gelassen gehen”

In Cassias Welt scheint alles sicher und geregelt: Sie kennt das Gefühl der Unentschlossenheit nicht, z.B. bei der allmorgendlichen Entscheidung vor dem Kleiderschrank oder bei der Speisenauswahl im Restaurant. Cassia kann es gar nicht kennen, denn sie hat keine Wahl. Das System entscheidet für sie und alle anderen Bürger der Gesellschaft: Was sie anziehen, was sie essen, welche Berufe sie ergreifen, wie sie ihre Freizeit gestalten. Und mehr noch: Das System kümmert sich nicht nur um den Alltag, sondern weiß, wann sie sterben und wen sie lieben soll.
Und Cassia hat Glück: Sie passt nicht nur ins System, ist talentiert und bisher ohne Tadel – sie erfährt, dass sie mit ihrem besten Freund Xander gepaart werden soll . Damit scheint ihre Zukunft perfekt. Doch dann geschieht das Unvorstellbare: Ein Fehler im System. Nicht Xanders Gesicht erscheint auf ihrem Paarungschip, sondern das eines anderen Jungen, von Ky, den sie seit Jahren flüchtig kennt.Damit wird alles anders: Erst noch zurückhaltend beginnt Cassia Ky zu beobachten und fühlt sich zu ihm hingezogen. Auch Ky sucht Cassias Nähe. Nach und nach lernen sich beide besser kennen und sind fasziniert voneinander. Cassia beginnt an ihrer Zukunft mit Xander, ihrem idealen Partner, zu zweifeln. Hat das System wohlmöglich nicht immer Recht? Wie wäre es, das eigene Leben selbst zu bestimmten? Zu heiraten, wen man will. Kuchen zum Frühstück zu essen und auf einer Straße statt auf einem Laufband zu trainieren. Zu entscheiden, welche Gedichte man lesen und welche Wörter man schreiben will. Plötzlich gibt es so vieles was Cassia möchte. Und am meisten will sie Ky. Doch das ist unmöglich.

Die Auswahl ist der Auftakt eines Dreiteilers um die verbotene Liebesgeschichte um Cassia und Ky. Unglaublich zart hat Alli Condie beschrieben, wie die beiden zu einander finden, wie sie sich zusammen eine Gegenwelt in der Natur und der Kunst schaffen. Ihre Blicke und Gesten sind es, die die immer gleiche Kulisse des Hügels in 1000 Farben erstrahlen lassen; und ihre Liebesworte sind keine hohlen Phrasen, sondern ein Versprechen auf Widerstand: “Mein Herz wird immer deinen Namen fliegen, ich werde nicht gelassen gehen”.

Damit greift meiner Meinung nach der oft gezogenen Vergleich mit der Biss-Reihe nicht. Bei “Die Auswahl” handelt es sich nicht nur um eine Liebesgeschichte, sondern um einen Apell nachzudenken, zu hinterfragen und genau hinzusehen, anstatt bedingungslos zu folgen, zu verdrängen und Falsches hinzunehmen. Ohne zu werten nimmt die Autorin aber auch zwischenmenschliche Beziehungen in den Blick, zeigt wie unterschiedlich jeder einzelne mit dem Druck der Gesellschaft umzugehen weiß und welche Konsequenzen Entscheidungen für andere haben können, selbst wenn man glaubt, sie nach reinstem Gewissen getroffen zu haben.

Gleichzeitig lese ich persönlich das Buch – ich weiß, dass ich an dieser Stelle vielleicht mehr interpretiere als es die Absicht der Autorin war – als Infragestellung des Perfektionsmuses in unserer Welt, in der suggeriert wird, dass nur das Schönste, Beste und Idealste zählt. Denn: Ky ist – so machte man Cassia glauben – nicht ihr idealer Partner, aber er ist es für sie trotzdem.

Klar, natürlich kann man kritisieren, dass die Autorin ein autoritäres System beschreibt, aber zu wenig Hintergrundinfos liefert, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Das muss man aber nicht. Die Story der Auswahl ist zwar schon bekannt, die Töne des Buches Großteils leise und schlicht, kommen aber bei mir – einer Leserin jenseits der anvisierten Altersgruppe – voll an.

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TIPP: Die Auswahl als Hörspiel – den ersten Teil umsonst bei youtube anhören:


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Eine Antwort auf Die Auswahl

  1. Pingback: Die Flucht: Cassia & Ky 02 | scriba

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